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SolarArchitekt Disch
Foto | Rolf Disch, Freiburg
Mit seinem selbst konstruierten Solarmobil gewann Disch 1987 die Weltmeisterschaft im Solarmobilfahren.
Foto | Rolf Disch, Freiburg
Futuristische Sonnenanbetung: das Heliotrop in Freiburg, Fertigstellung 1994.
Foto | Rolf Disch, Freiburg
> Pionier in Sachen Energie
Thema der 27. Ausgabe
Hefttitel: Klimaschutz
Energie einsparen, die Sonnenkraft nutzen und dabei die Lebensqualität steigern – das sind die Ziele des Architekten Rolf Disch, einem der Pioniere des solaren Bauens. Seit über dreißig Jahren realisiert er mit seinen Mitarbeitern zukunftsweisende Bauvorhaben. Arcguide traf den Visionär in seinem Freiburger Büro zu einem Gespräch über seine Erfahrungen, die neuesten Projekte und das Ziel, Vorreiter des solaren Bauens zu sein.

Herr Disch, bereits seit Anfang der siebziger Jahre engagieren Sie sich für Solararchitektur und ökologisches Bauen. Was hat Sie dazu gebracht, sich als Architekt schon so früh mit diesen Themen auseinanderzusetzen?
Mit dem Thema Ökologie bin ich in Berührung gekommen, als wir uns – erfolgreich! – gegen ein Atomkraftwerk gewehrt haben, das etwa zwanzig Kilometer von Freiburg entfernt gebaut werden sollte. Auf dem vorgesehenen Bauplatz hatten wir ein Hüttendorf errichtet, in dem wir uns trafen und diskutierten – wir nannten es damals „Volkshochschule Wyhler Wald“. Allerdings mussten wir schnell feststellen, dass es nicht ausreichte, gegen die Atomkraft zu sein, sondern dass wir auch Alternativen
brauchten: die Solarenergienutzung, das Energiesparen und die Verbesserung der Energieeffizienz. So hat sich sozusagen aus dieser Bewegung gegen Atomkraft eine Bewegung für die Ökologie entwickelt. Sie lief zwar langsam an, aber im Lauf der Jahre konnten wir dann doch vieles bewegen. Das Netzwerk wurde größer, und wir fanden immer mehr Leute, die sich auch finanziell engagierten.

Gab es eigentlich Vorbilder, die Sie inspiriert haben?
Nein, damals nicht. Wir waren gezwungen, selbst Lösungen zu entwickeln, mussten die notwendigen Informationen zusammensuchen und sie auf Tagungen untereinander austauschen. Wir waren nur eine kleine Gruppe, und Architekten waren meist nur wenige dabei. Ich habe zwar mehrfach versucht, in der Architektenkammer das Thema einzubringen, hatte zur damaligen Zeit aber überhaupt keine Chance.

Wenn Sie auf Ihre Projekte aus der Anfangszeit zurückschauen: Würden Sie sie heute, abgesehen natürlich von den veränderten technischen Gegebenheiten, anders realisieren?
Zuallererst wäre ich heute wohl viel mutiger, als ich es damals war, wobei man natürlich bedenken muss, dass ich häufig so schon an die Grenzen meiner – oft auch finanziellen – Möglichkeiten gegangen bin. Dadurch bedingte ein Projekt das nächste, wie bei einem Weg, den man Schritt für Schritt gehen muss: Hätte ich das eine nicht gemacht, hätte ich auch das andere nicht gewagt. Als ich mich zum Beispiel für ein
Solarmobilrennen angemeldet hatte und die Fahrzeugtechnik, die mir vorschwebte, nirgends zu finden war, habe ich das Gefährt einfach selbst konstruiert. Ohne diese Erfahrung hätte ich das Heliotrop, in dem ich jetzt lebe, nicht bauen können. Und ohne diesen Erfolg hätte ich mir wiederum nicht zugetraut, die Solarsiedlung und das Sonnenschiff zu realisieren. Wichtig war mir dabei immer, dass ich im Prinzip alles, was ich geplant habe, dank meiner Erfahrungen als Schreiner, Maurer, Schweißer und Fahrzeugbauer selbst hätte umsetzen können. Das erste Haus habe ich auch tatsächlich fast komplett selbst gebaut.

Sie haben für Ihre Architektur zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Gab es auch negative Reaktionen auf eines Ihrer Gebäude?
Beim Heliotrop hatte ich solche Reaktionen eigentlich erwartet und mit viel stärkerer Kritik gerechnet. Überraschenderweise habe ich aber sehr viel Zuspruch erhalten. Das Haus übt wohl eine gewisse Faszination aus, noch heute kommen täglich Leute aus der ganzen Welt, um es zu sehen. Kritik wurde dabei ganz selten geäußert – das weiß ich, weil ich manchmal zuhören kann, wenn die Fenster geöffnet sind.

Neben der Nutzung der Sonnenenergie spielen vor allem ökologische und gesundheitliche Aspekte bei Ihren Planungen eine Rolle. Wie setzen Sie diese Prinzipien um?
Bei den Baumaterialien bemühen wir uns, so weit wie möglich nachwachsende Rohstoffe zu verwenden. In den Räumen versuchen wir, Textilbeläge und PVC möglichst ganz zu vermeiden und stattdessen Fußböden mit geschlossenen Oberflächen einzusetzen, so dass sich nur wenig Staub entwickeln kann und die Qualität der Raumluft erhalten bleibt. Wo es sinnvoll ist, nehmen wir außerdem die Regenwassernutzung mit ins Konzept auf.

Ihre bekanntesten Bauten – wie das Heliotrop und das Sonnenschiff – haben Sie in der sogenannten Plusenergiebauweise realisiert. Was sind die Grundprinzipien dieses Konzepts?
Oberstes Prinzip ist, dass wir bei allem die Primärenergie im Auge behalten, also die Energie, die ursprünglich aufgewendet wird. Wenn ich beispielsweise den Haushaltsstrom betrachte, muss ich berücksichtigen, dass ich am Kraftwerk nahezu das Dreifache an Energie einsetzen muss, um eine bestimmte Strommenge zu erzeugen. Dieses Verhältnis wird natürlich immer besser, je mehr regenerative Energien herangezogen werden. Beim Plusenergiehaus rechnen wir grundsätzlich in Primärenergie um, und so betrachtet verbraucht es weniger Energie, als es selbst
erzeugt. Wir reduzieren den Heizwärmebedarf durch energieeffizientes Bauen auf ein Minimum, und den Strom zum Kochen und für alle möglichen Geräte erzeugen wir durch Photovoltaik, gegebenenfalls auch über Mini-Blockheizkraftwerke.

Welche Vorteile bietet das Plusenergiehaus gegenüber dem Niedrigenergie- oder Passivhausstandard?
Zunächst einmal ist die Bauweise viel wirtschaftlicher als jede andere. Sie ist der aktuelle Stand der Technik – eigentlich darf ich als Architekt gar nichts anderes mehr bauen. Warum soll ich also ein Niedrigenergie- oder Passivhaus bauen, wenn ich mehr tun kann und dabei sogar noch Kostenvorteile habe?

Vor kurzem haben Sie eine bundesweite Klimaschutzkampagne gestartet: Das Plusenergiehaus soll in Serie gehen und den Wohnungsbau in Deutschland revolutionieren. Wie stellen Sie sich das konkret vor?
Wir haben für das Plusenergiehaus ein Baukastensystem entwickelt. Die Idee dahinter: Wir wollten das System einerseits so weit wie möglich vereinfachen und andererseits trotzdem individuelles Bauen ermöglichen. Aus diesen Überlegungen heraus entstand die „Powerbox“ – eine Raumzelle, in der die gesamte Haustechnik untergebracht ist. Das übrige Haus lässt sich als nahezu technikfreie Zone vergleichsweise einfach und frei konstruieren. Dazu haben wir dann einen Info-Flyer entworfen und an alle Bürgermeister in Deutschland verschickt. Das Interesse war unerwartet hoch, wir befinden uns mit den ersten Häusern und Siedlungen nach diesem Baukastensystem bereits in der Planungsphase.

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