Thomas King ist Doppelgastronom, Galerist, Kulturschaffender und Architekt. Das Architekturstudium in Potsdam und New York, die Mitarbeit bei verschiedenen Architekten und die Gründung des eigenen Büros führten ihn schließlich in die Berliner Gastronomie. „Heute empfinde ich es als Freiheit Gastronom zu sein“, sagt Thomas King im Gespräch mit uns, „um vielleicht mal wieder als Architekt zu arbeiten.“
Potsdam, New York, San Remo – Was führte zu Ihrem Einstieg in die Gastronomie?
Nach dem Studium an der Fachhochschule in Potsdam bin ich mit einem Stipendium nach New York, habe dort weiter studiert und anschließend bei einem Künstler, Vito Acconci, gearbeitet, den ich bei den Vorlesungen kennengelernt hatte. Acconci hat viel Kunst am Bau gemacht und wesentlich konzeptioneller gearbeitet, als ich es kannte. Nach zwei Jahren bin ich, mit der Energie die man aus so einem Amerikaaufenthalt mitbringt, nach Berlin zurückgekommen, um erst einmal nur Wettbewerbe zu machen. Nebenher wollte ich in der Gastronomie arbeiten. Das habe ich ein halbes Jahr lang gemacht, um festzustellen, dass es doch sehr kräftezehrend ist. Ich hatte noch Kontakt zu einem Studienkollegen, der einen Auftrag zugeschanzt bekommen hat. Den habe ich dann bei einem Wettbewerb mit nur drei Teilnehmern für ein Hotel an der Ostsee unterstützt. Wir hatten schließlich einen Vertrag in der Tasche − für ein Hotelprojekt mit 17 Millionen DM Bauvolumen. Mit einem Freund aus Konstanz, der noch Aufträge aus Stuttgart und Heilbronn mitbrachte, haben wir ein Büro gegründet. Durch kleinere Projekte haben wir uns finanziert und konnten so an dem Hotelprojekt arbeiten. Nach drei Jahren, ohne Honorierung für die Arbeit am Hotelprojekt, bin ich aus dem Büro ausgestiegen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon Dominik Bausinger kennengelernt, der gerade dabei war, das San Remo Upflamör aufzumachen. Er fragte mich, ob ich nicht mit einsteigen will.
Hatten Sie bereits Erfahrung in der Gastronomie?
Ich habe früher an der FH in Potsdam immer die Feste organisiert, Weintheken betrieben und ähnliches. Zunächst habe ich den Einstieg nur als zweites Standbein gesehen, aber die Arbeit wurde schnell sehr umfangreich. Hinzu kam, dass der Anfang wirklich schwierig war. Es hat zwei, drei Jahre gedauert, das San Remo war nicht von Beginn an so voll, wie es heute ist.
Inzwischen haben Sie expandiert und betreiben eine Galerie…
Als das San Remo zu greifen anfing, haben wir nebenan die Galerie „Showroom Berlin“ aufgemacht. Viele Freunde von uns sind Fotografen und Künstler, mit den Räumen bieten wir ihnen Ausstellungsflächen. Parallel haben wir zusammen mit anderen Architekten das Architekturnetzwerk „Speeedinvestor“ gegründet.
Neben dem San Remo in Kreuzberg haben Sie nun auch noch das Wirtshaus am Ufer (WAU) übernommen, die Theaterkantine des Hebbel Theaters.
Zunächst haben wir das Lokal Chez Gino in der Wrangelstraße eröffnet mit Badisch-Elsässischer Küche: Kässpätzle, Maultaschen, Flammkuchen. Kurze Zeit später hat das Hebbel Theater angefragt, ob wir die Gastronomie übernehmen wollen. Das fand ich inhaltlich sehr interessant und so habe ich mit Dominik zusammen das WAU eröffnet.
Weder das San Remo noch das WAU sind im Innenraum Zeugnis eines Architekten, der sich im eigenen Laden endlich einmal austoben hätte können…
Die Erfahrung hatte ich ja schon gemacht. Als Architekt habe ich einen Weinshowroom in Heilbronn mit großem Budget aufwendig umgebaut. Hier beim WAU haben wir den Umbau mit eigenen Mitteln selber gemacht, ähnlich wie beim San Remo und dem Chez Gino zuvor, weil wir keinen Brauereivertrag abschließen wollten. Beim San Remo sind wir sehr collagenhaft vorgegangen, mit geringem Budget. Außerdem war diese Ecke auch nicht anders zu knacken: Wrangelkiez, Berlin-Kreuzberg.