Im katalanischen Manlleu bei Barcelona sieht es so aus, als hätten RCR Arquitectes mit farbigen Bauklötzen gespielt. Herausgekommen ist der wunderbare
Kindergarten "Els Colors", eine vielschichtige Erlebniswelt, die ihren Nutzern eindrucksvoll gerecht wird. Geschickt inszenieren die Architekten die unterschiedliche räumliche Wahrnehmung von Kindern und Erwachsenen. Während den Kindern der freie Durchblick durch eine transparente Glashaut gewährt wird, ist auf Augenhöhe der Erwachsenen eine zweite Schicht aus farbigen Scheiben montiert.
Die rund 1.000 Quadratmeter große Kindertagesstätte in einem Vorort von Barcelona besteht aus wenigen Elementen, die durch Addition zu einer überraschend komplexen Raumkomposition führen. Zwei Reihen aneinander gesetzter, farbiger Kuben begrenzen einen offenen, von der Umgebung abgeschirmten Mittelgang. Das gesamte Erdgeschoss und entsprechend der Vorgabe der Kindergartenverwaltung auch die den Gruppenräumen zugeordneten Freiräume können sich die Kinder aneignen. Ein Querriegel, der den Kindergärtnerinnen im Obergeschoss als Büro und Aufenthaltsraum dient, verbindet die beiden Reihen aus "Bauklötzen" miteinander. Der Eingang auf der Südseite wird durch ein weit auskragendes Dach mit farbigem Glassturz akzentuiert.
"In einem Konstruktionsspiel wurde die Form – ausgehend von Nebeneinander- und Übereinanderstellung – aus einfachen Baukörpern zusammengesetzt", erläutern die Architekten Rafael Aranda, Carmen Pigem und Ramón Vilata ihren Entwurfsansatz. "Die Leichtigkeit in der Komposition rührt von der uniformen Größe der einzelnen Teile her, und die abschließende Identifizierung jedes einzelnen, nun zu einer Gesamtheit zusammengeschlossenen Teils, vollzieht sich anhand seiner Farbe." Rot, Orange und Gelb, die Farbcodierung der Einzelkörper ist überzeugend, ohne sich der sozialen Nutzung des Gebäudes anzubiedern.
Die thermische Hülle besteht aus einer bodentiefen, im Aluminiumrahmen gefassten Isolierverglasung – dadurch haben die Kinder in allen Gruppenräumen nahezu über die gesamte Breite den freien Durchblick nach Draußen. Zwei Drittel dieser Verglasung sind geätzt, das untere Drittel ist klar gehalten. Im oberen Bereich haben die Architekten den Kuben farbige Glashauben aufgesetzt, in diesem Zwischenraum kann die Luft frei zirkulieren. Diese Gestalt prägenden Verschattungshauben sind aus zwei laminierten sechs Millimeter starken Glasscheiben mit dazwischen liegender Polyvinyl-Butyral-Folie zusammengesetzt, die für die Leuchtkraft der Farben verantwortlich ist. Durch die präzise Anordnung von transparenten und farbig-transluzenten Fassadenbereichen wird der Ausblick aus dem Innenraum in die Umgebung hierarchisiert. Den Kindern im Alter von null bis drei Jahren wird der freie Durchblick durch eine 1,10 Meter hohe transparente Glasfläche gewährt. Blick und Aufmerksamkeit der Erwachsenen werden dagegen auf den bodennahen, natürlich belichteten Bereich, die Spielzone der Kinder gelenkt.
"Kinder erleben einen Raum anders als Erwachsene. Ihre Augenhöhe liegt deutlich tiefer und mit erhobenem Kopf nehmen sie wiederum andere Perspektiven wahr", so die Architekten. "Kindern unter drei Jahren die Orientierung und Standortbestimmung zu erleichtern, ist eine wichtige räumliche Lernaufgabe, um Unabhängigkeit und Sicherheit zu gewinnen..."