Die Architektur sozialer Einrichtungen ist ein Spiegel unserer gesellschaftlichen Werte und Entwicklungen. In den letzten Jahren entstanden im In- und Ausland zahlreiche interessante Konzepte für Kindergärten, Schulen und Seniorenzentren. Dabei nehmen neue pädagogische Ansätze, ökologische und energetische
Aspekte sowie der Einsatz neuer Technologien großen Einfluss auf die Planungen.
Die kollektive Euphorie der Fußballweltmeisterschaft hat der demografischen Entwicklung Deutschlands gut getan: Im vergangenen Jahr stieg die Geburtenrate in manchen Regionen um bis zu 18 Prozent. Ob diese Entwicklung eine stetige sein wird, bleibt noch abzuwarten – die Bundesregierung hat, wenn auch verspätet, zumindest ihre Hausaufgaben zu diesem Thema gemacht: Seit Beginn des Jahres 2007 bietet das Elterngeld einen zusätzlichen Anreiz für die Familiengründung und -erweiterung. Der Beschluss, bis zum Jahr 2013 den massiven Ausbau von Kinderkrippenplätzen zu vollziehen, ist eine weitere wichtige Weichenstellung. Außerdem soll ein Betreuungsangebot für unter Dreijährige die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sichern. Was uns viele europäische Nachbarn seit langem voraushaben, soll in den kommenden Jahren nun auch in Deutschland umgesetzt werden. Der Bund schätzt die Kosten für den Ausbau der Kinderkrippenplätze auf zwölf Milliarden Euro. Neben einem höheren Personaleinsatz erfordert dies vor allem mehr Platzbedarf in Kindergärten und -tageseinrichtungen. Zudem müssen bestehende Einrichtungen umgebaut und erweitert werden, denn Kleinkinder im Alter von null bis drei Jahren stellen andere Anforderungen als vier- bis sechsjährige Vorschulkinder.
Der Pisa-Schock sitzt tief
Genauso aktuell wie der Um- und Neubau von Kindertageseinrichtungen ist der Bedarf an Schulen und Schulerweiterungen. Seit 2003 läuft das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung", das der Bund mit insgesamt vier Milliarden Euro fördert. Zahlreiche Schulen wurden oder werden derzeit um einen Ganztagesbereich mit Mensa sowie um Räumlichkeiten für die Hausaufgabenbetreuung erweitert. Ziel ist es auch hier, zum europäischen Durchschnitt aufzuschließen, und mittelfristig mit mehr Ganztagsschulen und einem damit verbundenen besseren Betreuungsangebot das Schulbildungsniveau wieder anzuheben. Das Lehren und Lernen hat sich zudem verändert, dafür gilt es, neue Raumkonfigurationen und architektonische Konzepte zu
entwickeln. Herkömmliche Klassenzimmer funktionieren nur noch mangelhaft, weil sie für Individual- und Kleingruppenunterricht nicht geeignet sind. Aber nicht nur die Art der Wissensvermittlung ist in die Jahre gekommen: viele Schulgebäude aus den 1950er und 60er Jahren sind sanierungsbedürftig oder müssen gänzlich durch Neubauten ersetzt werden...