Das Wohnen in der Stadt hat Konjunktur. Das überrascht auf den ersten Blick. Analysiert man diese Konjunktur aber genauer, stellt man fest, dass der Erfolg nicht zufällig ist, und die Wurzeln des aktuellen Trends bis in die 1970er Jahre reichen. Der Weg zur heutigen Situation verlief dabei allerdings keineswegs geradlinig. Im Gegenteil, er war von Krisen und Konflikten begleitet. Und so schön der Erfolg gerade deswegen ist – für die Zukunft ist er damit noch lange nicht garantiert.
Schon seit geraumer Zeit ist im deutschen Blätterwald die These von der „Renaissance der Stadt“ zu vernehmen. Und tatsächlich mehren sich deutlich die Anzeichen, dass es den Städten gelungen ist, wieder zu attraktiven und begehrten Wohnorten zu werden. Das wird von Plaern, in den Verwaltungen, in den Städten, aber auch von Kritikern mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis genommen; aus ökologischen, aus stadtpolitischen, auch aus gestalterischen Gründen. Das Bauen in der Stadt ist ein öffentliches, und da hat man ein gutes Recht, gestalterische Qualität einzufordern – mehr als beim „Bauen auf der grünen Wiese“.
Die Freude ist umso verständlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der derzeitige Erfolg eine Vorgeschichte hat, die von Krisen, Konflikten und harten Auseinandersetzungen begleitet war. Die Beliebtheit der Stadt hat allerdings nicht unbedingt eine wachsende Einwohnerzahl zur Folge. Gewiss, die Städte verlieren nicht mehr kontinuierlich Einwohner, wie dies lange Jahre der Fall war. Aber wenn weniger Menschen in einem Haushalt wohnen und die Wohnfläche wächst, die jedem zur Verfügung steht, dann sinkt die Einwohnerzahl. Das kann nur durch Neubauten, etwa auf Industriebrachen oder in umgenutzten Gebäuden kompensiert werden – die Ressource Boden lässt sich aber nicht beliebig vermehren, schon gar nicht, wenn sie für attraktives Wohnen genutzt werden soll. Und ob die gestiegene Wertachtung des Wohnens auch ökologisch ist, muss noch genauer untersucht werden. So mancher Arbeitsplatz wird an die Peripherie verlagert, die Industrie wandert ins Ausland...